Nachhaltige Stadt-Imkerei

Betriebsweise: Nachhaltig urban Imkern


Bildung für nachhaltige Entwicklung ist ein Grundstein für das Wohlergehen zukünftiger Generationen. Sie vermittelt eine ganze Reihe von Kompetenzen. Nachhaltige Entwicklung erklären wir am Beispiel des nachhaltigen urbanen Imkerns. Denn die drastisch zunehmende Gefährdung des Überlebens der Biene bringt gravierende Folgen mit sich – sowohl ökologische als auch ökonomische als auch soziale Folgen. Viele wichtige Informationen findest du hierzu in unseren Blog-Artikeln – und natürlich vor Ort in unserem Stadtgarten bei einer unserer Führungen und Workshops.

Mit diesem Artikel geben wir einen kleinen, allgemeinen Überblick, wie wir nachhaltig urban Imkern.

 

Ökologische Betriebsweise der Imkerei

 

Konventioneller und "Bio“-Honig unterscheiden sich fast ausschließlich in der Betriebsweise der Imkerei. Beim Bewerten der Bio-Qualität von Honig wird also nicht das süße Endprodukt zertifiziert sondern der davor stattfindende Produktionsprozess. Dabei spielt auch die Umgebung eine Rolle – beispielsweise ob es ökologische Sammelflächen oder Verschmutzungsquellen gibt. Aber letztendlich kann man die Bienen nicht lenken, welche Pflanzen sie anfliegen und welche nicht. Allerdings funktionieren die Bienen wie ein Filter: Viele schädliche Stoffe verbleiben in der Biene und gelangen nicht in den Honig. Analysen der Bieneninstitute und Labore bescheinigen deutschen Honigen vom Land und aus der Stadt ausgezeichnete Qualität.

Wir wenden konsequent die ökologische Betriebsweise an mit Ausnahme der Herbstfütterung mit Bio-Zucker. Dabei erhalten Bienenvölker ohne ausreichende Vorräte unter anderem einen Sirup aus Zucker und Wasser. Bienen vertragen anders als der Mensch keinen mineralreichen Rohzucker sondern nur weißen raffinierten bzw. invertierten Zucker. Schätzungsweise 96% des weltweit hergestellten Bio-Zuckers stammen aus Zuckerrohr, dessen Anbau, Herkunft, Produktionsweisen, Arbeitsbedingungen und lange Transportwege aus den tropischen Gebieten derzeit in der Kritik stehen. Der wenige deutsche Bio-Zucker aus Zuckerrüben ist auf dem Markt für Kleinverbraucher wie wir praktisch nicht erhältlich, da er direkt an Hersteller von Biowaren verkauft wird. Vor allem wegen der Unverträglichkeit gegenüber mineralreichen Bio-Rohzucker, verwenden wir bewusst konventionellen Zucker aus deutschen Zuckerrüben und setzen eigenen Honig ein. Wir arbeiten an einer akzeptablen Alternative.

Als Bienenweiden raten wir zu heimischen Pflanzen. Eingeführte Pflanzen - auch durch Imker - wie Riesen-Bärenklau oder Indisches Springkraut breiten sich unkontrolliert aus und bedrohen unsere heimische Artenvielfalt (invasive Neophyten-Problematik). Aus den Fehlern der Vergangenheit zu lernen, gehört ebenfalls zu einer nachhaltigen Entwicklung.


Ökonomie:
Regionale Wirtschaft und strukturschwache Gebiete stärken

Die Bienenbehausungen sind aus unbehandeltem Holz entsprechd der EG-Öko-Verordnung.

Das verwendete heimische Kiefern- und Weymouth-Kiefernholz stammt aus Thüringer Forstwirtschaft und wurde auch in Thüringen zu den Behausungen verarbeitet. Unsere ersten Bienenvölker stammen aus dem Saarland und dem hessischen Bergwinkel. Auf diese Weise fördern wir neben der regionalen Wirtschaft zudem Betriebe in strukturschwachen Gebieten. Die verwendeten Rähmchen, sozusagen das Innenleben der Behausungen, werden größtenteils in Behindertenwerkstätten gefertigt. Unsere Mittelwände bestehen aus bio-zertifiziertem und auf über 40 Rückstände geprüftes Wachs aus dem Bayrischen Wald und Schwaben. Kurze Transportwege vermeiden unnötigen Ressourcenverbrauch und unnötige Umweltbelastungen. Die Einnahmen aus dem Verkauf von Honig und Gelee fließen in unsere Bildungsarbeit.


Miteinander leben: Mensch und Biene

Unsere Bienen dürfen selbst bauen, wir lassen auch Naturwabenbau zu. Wir imkern in sogenannten Magazinbeuten (Einfachbeute nach Dr. Liebig). Dabei sind gegenüber anderen Systemen die Eingriffe z.B. bei der Honigernte auf ein Minimum reduziert und eine optimale Hygiene gewährleistet. Kein Stress durch Wanderungen! Unsere Bienen und ihre Behausungen bleiben dort wo sie sind. Gerade um Sortenhonige zu erhalten, transportieren Imker ihre Bienen für eine bestimmte Zeit dorthin, wo das Angebot von einer bestimmten Pflanzenart besonders groß ist. Untersuchungen in Nordamerika bringen diesen Wanderstress in Verbindung mit dem Bienensterben.


Die Bienen sind durch die fast weltweit verbreitete  parasitäre Varroa-Milbe auf eine Behandlung durch den Menschen angewiesen, sonst würden sie früher oder später sterben. Wir setzen nur Milch- und Ameisensäure gegen die Varroa-Milbe ein, so wie es die strengen Regeln der Ökolandbauverbände vorsehen. Diese organischen Säuren kommen als natürlicher Bestandteil im Honig vor.

 

In der Stadt leben Mensch und Biene eng miteinander. Jeder braucht seinen Freiraum. An Bienenschwärme sind Städter nicht gewöhnt. So mancher Schwarm in der Innenstadt hat den Berufsverkehr zusammenbrechen lassen, weil er sich die Ampel einer Hauptkreuzung als Sammelplatz ausgesucht hat. Auch die Terrassengäste von Cafés sollten beim Genuss von Süßem nicht belästigt werden. Dies könnte die Akzeptanz der Biene durch die Stadtbevölkerung stark belasten. Deshalb setzen wir auf Bienenhaltung in verkehrsarmen Gebieten mit vielen Blühflächen etwa in Kleingartengebieten. Diese kommen der ursprünglichen Umgebung der Biene näher als Wolkenkratzer, Balkon- oder Dachstände.

 

Weitergedacht: Abfüllen und Verpacken

 

Wir schleudern unseren Honig schonend von Hand mit Muskelkraft völlig CO2-frei. Wir frieren keinen Honig ein oder erhitzen ihn. Unseren Honig füllen wir in pfandfreie Mehrweggläser ab, die in einer deutschen Glashütte aus bis zu 90% Recyclingglas hergestellt wurden. Entscheidend waren für uns energiesparende Produktion und kurze Transportwege. Unsere Schraubdeckel bestehen nicht wie üblich aus problematischem Kunststoff sondern recycling-freundlichem Weißblech. Deren Innenbeschichtung ist laut Hersteller Bisphenol-A-frei und Phthalat-frei.

Ein "absolut nachhaltiges Imkern" gibt es nicht. Denn nachhaltige Entwicklung ist ein Prozeß und muss in seiner Umsetzung ständig neu überdacht, erforscht und bewertet werden. Daran wirken wir mit.

 

Bienenretter wurde von der Deutschen UNESCO Kommission als offizielles Projekt der UN-Dekade "Bildung für nachhaltige Entwicklung" und als UN-Projekt "Biologische Vielfalt" ausgezeichnet.

 

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